Durch die hügelige Allgäulandschaft von Wangen nach Eglofs
Bei schönstem Frühlingswetter traf sich eine große Gruppe
von Mitgliedern und Freunden der Ortsgruppe Markdorf des Schwäbischen
Albvereins am Markdorfer Bahnhof, um per Zug den Ausgangspunkt der geplanten
Tagestour zu erreichen. Man musste gleich zweimal umsteigen: in Friedrichshafen
und in Aulendorf, wo der Zug die Himmelsrichtung wechselte, wieder südwärts
fuhr und über Bad Waldsee, Wolfegg und Kißlegg schließlich
in Wangen eintraf. Gerda Keller hatte der zu erwartende Andrang (55 Teilnehmer)
Kopfzerbrechen bereitet, denn für den von Eglofs vorgesehenen Bus
zurück nach Wangen wurden nur dreißig Personen zur Beförderung
angemeldet. Um sicher zu stellen, dass die gesamte Gruppe abends rechtzeitig
den Zug erreichen konnte, mussten 23 Wanderer gleich per Bus nach Eglofs
fahren und die Strecke in umgekehrter Richtung laufen. Zuerst staunte
man über die für den kleinen Ort großen Gasthöfe,
das Rathaus und den Brunnen und stattete dann der Pfarrkirche St. Martin
einen Besuch ab. Diese Kirche ist 1770 von dem Konstanzer Bischof Hornstein
geweiht worden. Für die Wanderer blieb noch Zeit für eine Einkehr
oder den Besuch des kleinen Ortsmuseums. Man erfuhr einiges über
den Ort Eglofs, der nordöstlich über dem Argental gelegen ist
und 1094 Sitz einer Burg des Albgaugrafen war. Bereits 1275 erhielten
die Eglofser Bürger die Rechte und Freiheiten der Reichsstadt Lindau.
Später wurde die Herrschaft mehrmals verpfändet und gelangte
1516 von den Monforts an die Reichsstadt Wangen. 1805 wurde Eglofs mit
Siggen zum Reichsfürstentum erhoben, was aber nicht von langer Dauer
war.
Es begann nun eine genussreiche Wanderung mit prächtigen Aus- und
Rückblicken auf die hügelige Allgäu Landschaft, die Nagelfluhkette
und den Bregenzer Wald mit der unverwechselbaren Mittagsspitze. Der Weg
zog sich über ein Hochplateau hin, querte den Kräuterhof bei
Zellers und führte bald zu einer Begegnung mit der von Wangen heraufkommenden
Wandergruppe. Es folgte ein ausgedehntes Waldstück, durch das man
abwärts ins Tal der Oberen Argen gelangte. Von dort hatte man in
dieser Gruppe den einzigen größeren Anstieg die Halden hinauf
über Wolfaz nach Deuchelried. Dieser Ort war sanktgallischer Besitz,
kam 1307 ans Kloster Salem und wurde 1353 Filiale der Reichsstadt Wangen.
Auf hübschem Weg entlang der Oberen Argen war man dann bald in Wangen,
in einem Ort, der erstmals 815 erwähnt wurde, im 12. Jh. wegen seiner
verkehrsgünstigen Lage Markt wurde und Anfang des 13. Jh. das Stadtrecht
erhielt. Es folgte eine Zeit wirtschaftlicher Blüte durch die Herstellung
und den Export von Leinwand und Sensen. Im Dreißigjährigen
Krieg wurde der Wohlstand allerdings vernichtet. Erst Ende des 19. Jh.
ging es wirtschaftlich wieder aufwärts. Als Besucher ist man fasziniert
von der Altstadt, ihren markanten Türmen und den teilweise erhaltenen
Stadtmauern, den mittelalterlichen Gassen, den bemalten Hausfassaden,
dem schmucken Rathaus und den zu dieser Jahreszeit geschmückten Osterbrunnen.
Die nunmehr ermüdeten Wanderer des Albvereins ließen es sich
nicht nehmen, eine der zahlreichen Cafés oder Eisdielen, die schon
ihre Sitzplätze im Freien anboten, zu besuchen. Am Bahnhof traf man
die von Eglofs mit dem Bus eingetroffenen Wanderer und trat mit ihnen
die Bahnfahrt Richtung Aulendorf an. Dort verpasste man leider den Zug
nach Friedrichshafen-Lindau, weil das Gedränge durch eine entgegenkommende
Gruppe auf der Treppe zum Bahnsteig die Bewegung nur im Schneckentempo
zuließ. Bevor der Bahnsteig erreicht war, fuhr der Zug auf und davon.
Zum Glück gab es noch die Bodensee-Oberschwaben-Bahn (Geißbockbahn),
die von einem anderen Gleis ebenfalls nach Friedrichshafen fuhr. Dort
angekommen, hatte man reichlich Zeit, entweder kurz zum See zu laufen
oder auf einer Bank das gegenüber liegende denkmalgeschützte
Bahnhofsgebäude anzuschauen. Schließlich konnte man den fahrplanmäßigen
Zug besteigen, der alle zurück nach Markdorf brachte.
Besonderer Dank gebührt Gerda und Edmund Keller für die Lösung
des logistischen Busproblems und für die Wahl der Wanderroute sowie
Karl Beck für die gelungene Organisation der zwar billigen, aber
langen Bahnfahrten.
Dr. Brigitte Barth
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