Vereinsgeschichte

MARKDORF ZUM ENDE DES 19. JAHRHUNDERTS
Markdorf war 1803 Badisch geworden und hatte sich als kleine Landstadt zu behaupten. Zwar an der Kreuzung der Strassen Ravensburg - Meersburg und Friedrichshafen - Salemer Tal gelegen, war es doch ein kleines und nicht reiches Landstädtchen geblieben und zählte im Jahre 1865 gerade 1764 Einwohner, die fast alle katholisch waren. In der Nacht vom 10./11. Juli 1842 vernichtete eine verheerende Feuersbrunst die östliche Kernstadt zur Hälfte. Es brannten 85 Häuser nieder und 99 Familien mit insgesamt 349 Personen wurden obdachlos. Der Kirchturm brannte aus, die Kirche selbst und das Rathaus wurden gerade noch gerettet. Das gerade 10 Jahre alte Schulhaus wurde ebenso ein Raub der Flammen wie der Obertorturm und der Helltorturm. Nun hatte man jahrelang mit dem Wiederaufbau der Stadt zwischen Kirche und Obertor viel Mühe und Kosten und wenig Zeit und Geld für ein sich schon abzeichnendes Vereinsleben. Schon Anfang 1842 hatte man einen Bürgerverein "Frohsinn" gegründet, 1864 kam ein Museumsverein dazu. Die Mitglieder beider Vereine waren Geschäftsleute und Honoratioren der Stadt; der einfache Bewohner hatte hier keinen Zugang. Das wurde auch nicht anders, als man 1894 die Gesellschaft "Gemütlichkeit" gründete. Letztlich bestand keiner der drei Vereine lange über die Jahrhundertwende hinaus. Im Jahre 1890 wurde der "Arbeiterbildungsverein" gegründet, der sich mit seiner Fahnenweihe 1894 bekannt machte und später den Bestand des Museumsvereines, bestehend aus einer Bücherei, übernahm. Der Arbeiterbildungsverein hielt sich bis Mitte der 60er Jahre und hier fanden auch einfache Arbeiter Zugang. 1911 gab es immerhin 24 Vereine in Markdorf, die Hälfte waren gewerbliche oder berufsbedingte Vereine. Der Schwäbische Albverein und der Verschönerungsverein werden in der Chronik von Stadtpfarrer Maximilian Wetzel ebenfalls 1911 genannt. Eine ganz wesentliche Veränderung für Markdorf ergab sich, als am 1. Oktober 1901 die Bahnlinie Stockach-Friedrichshafen in Betrieb genommen wurde. "Markdorf war nun an den Rest der Welt" angeschlossen, wie ein Zeitgenosse ironisch meinte. Die aufstrebende Industrie im nahen Friedrichshafen bot nicht nur für die Markdorfer Arbeit und Brot, sondern mehr und mehr kam es zum Zuzug durch Arbeitssuchende, die mit der Bahn bequem zum Arbeitsplatz kamen. Eines aber soll zu der Zeit vor 1900 festgestellt werden: Die Menschen hatten damals meist andere Sorgen, als einer geistigen oder sportlichen Freizeitbeschäftigung nachzugehen. Die Menschen waren eingespannt in harte Arbeit und dies bei geringem Lohn, mit dem man zumeist nur den Lebensunterhalt finanzieren konnte. Reisen, andere Gegenden besuchen, Urlaub machen, oder einfach zu wandern, wie das heute weit verbreitet ist, das blieb nur den Betuchten vorbehalten.